Formel 1

FAZ:

Kurrier:

  • US-Angriffe im Iran: Explosionen im Süden gemeldet
    am Juli 18, 2026 um 5:10 am

    Nach Beginn der neuen Angriffswelle des US-Militärs auf Ziele im Iran melden örtliche Medien Explosionen in mehreren Gebieten des Landes. Während das US-Militär keine Angaben dazu machte, wo es attackierte, meldete der iranische Staatssender Irib Detonationen in der Umgebung von Sirik nahe der Straße von Hormus sowie der Küstenstadt Bandar Abbas.Laut der iranischen Nachrichtenagentur Fars gab es zudem in der Provinz Hormusgan im Süden erneut Angriffe auf Brücken. Nach iranischen Angaben hatte das US-Militär dort bereits in der vorherigen Nacht Brücken und andere zivile Infrastruktur attackiert. Irans Außenamtssprecher Ismail Baghai schrieb daraufhin auf der Plattform X, das iranische Volk sei jetzt noch entschlossener, seine Feinde die „verbrecherische Aggression bitter bereuen zu lassen“.Bericht über brennende Tanker in der Straße von HormusDer regierungstreue Sender Press TV meldete in der Nacht unter Berufung auf die mächtigen iranischen Revolutionsgarden den Abschuss einer amerikanischen Drohne im Bereich der Stadt Buschehr. Zudem stünden zwei Öltanker im Süden der Straße von Hormus in Brand. Die Angaben konnten zunächst nicht unabhängig überprüft werden. Der Iran beansprucht weiterhin die vollständige Kontrolle über die für den globalen Handel mit Öl, Gas und Dünger wichtige Meerenge.Um Angriffe des Irans auf Handelsschiffe in der Straße von Hormus zu unterbinden, greift das US-Militär nach eigenen Angaben in der nunmehr siebenten Nacht in Folge im Iran an. Ziel sei es, die militärischen Fähigkeiten des Irans weiter zu schwächen, teilte das US-Militärkommando Centcom auf X mit.

  • Seit 33 Jahren zusammen: Krebskranke Frau heiratet im Hospiz
    am Juli 18, 2026 um 5:08 am

    Die Britin Karen Glossop wurde mit unheilbarem Krebs diagnostiziert. Deswegen befindet sich die 58-Jährige gerade im Hospiz. Dort hat sie sich nun einen Herzenswunsch erfüllt: Nach 33 Jahren Beziehung hat sie ihrem Partner Stephen das Jawort gegeben. Innerhalb von 7 Stunden: Hochzeit im Hospiz In dem Ahsgate Hospiz im britischen Chesterfield wird die Krebskranke während ihrer letzten Lebensphase begleitet. An ihrer Seite ist ihr Partner Stephen, mit dem sie vier Kinder hat. 33 Jahre lang sind die beiden schon zusammen, geheiratet haben sie aber nie. Das wollte Glossop nun ändern, wie das Hospiz berichtet. Innerhalb von weniger als sieben Stunden wurde der Innenhof der stationären Einheit in eine Hochzeitslocation umgestaltet, in der sich das Paar Anfang Juli das Jawort gab. „Wir sind seit 33 Jahren zusammen und diese Hochzeit war längst überfällig“, erklärte Stephen gegenüber den Mitarbeitenden des Hospiz'. „Aber der Tag war wunderschön und unsere Hochzeit war etwas ganz Besonderes. Ich bin Ashgate so dankbar, dass sie es möglich gemacht haben. Alle waren unglaublich und haben alles innerhalb weniger Stunden perfekt organisiert.“Auf der offiziellen Instagram-Seite der Einrichtung wurden die Fotos der Frischvermählten geteilt: Hochzeitspläne nach Diagnose verlegtDas Pärchen hatte eigentlich geplant, in einem Hotel zu heiraten. Doch nach der Krebsdiagnose der 58-Jährigen mussten die Pläne auf Eis gelegt werden. Nun konnten Karen und Stephen endlich ihren Wunsch wahr werden lassen. Im Kreise ihrer vier Kinder, fünf Enkelkindern, weiteren Verwandten sowie ihren Freunden wurde die Zeremonie durchgeführt. „Wir haben nie die Zeit gefunden, zu heiraten. Die Kinder kamen und dann hat das Leben seinen Lauf genommen. Aber es war immer unser Plan“, erklärte der 67-jährige Bräutigam. „Ich war so froh, dass wir so viele Menschen so kurzfristig in Ashgate zusammenbringen konnten. Einige unserer Familienmitglieder sind verreist, aber wir konnten kurzfristig 22 Gäste versammeln, und Karen hat es geliebt, alle zusammen zu sehen. Es wird etwas sein, das ich immer in Erinnerung behalten werde, und ich werde dem Team von Ashgate für immer dankbar sein.“

  • Spanischer Bürgerkrieg: Als Österreicher gegen Franco kämpften
    von elisabeth.holzer@kurier.at (Elisabeth Holzer-Ottawa) am Juli 18, 2026 um 5:00 am

    Frauen, kämpft an der Seite der Männer (....) Niemand darf zögern. Alle Spanier! Verteidigt die demokratische Republik. Die Faschisten werden nicht durchkommen!“ (Dolores Ibárruri)Als die kommunistische Abgeordnete Dolores Ibárruri am 19. Juli 1936 ihre Mitbürgerinnen und Mitbürger via Radio Madrid zum Widerstand gegen die Putschisten in Spanien aufforderte, nützte sie mit dem Schlachtruf „¡No pasarán!“ („Sie werden nicht durchkommen!“) eine Phrase, die eigentlich aus dem Ersten Weltkrieg stammte.Doch ihr kämpferischer Appell, sich gegen die Faschisten unter der Führung General Francisco Francos zu stellen, gilt seit damals als Symbol der spanischen Linken.Zwei Tage zuvor, am 17. Juli, hatte mit dem Militärputsch in Marokko, damals eine spanische Kolonie, der Bürgerkrieg in Spanien begonnen. Er breitete sich rasch auf das ganze Land aus, das sich nur wenige Jahre zuvor zur Demokratie gewandelt hatte.Bis zu 500.000 ToteDer Krieg dauerte bis 1. April 1939, je nach Forschungslage wird die Anzahl der Todesopfer mit 200.000 bis 500.000 beziffert. Schon im Oktober 1936 hatte Franco seine Stellung einzementiert. Er war Staats- und Regierungschef sowie Oberbefehlshaber; Funktionen, die der Diktator bis zum Tod 1975 behalten sollte.Der „Guerra Civil“ gilt als Auftakt zum Zweiten Weltkrieg. Die Kräfte der jungen, zuvor schon durch Putschversuche, Streiks und Wahlsiege rechter Parteien geschwächten Zweiten Republik, konnten den Faschisten wenig entgegensetzen.NS-Deutschland und Italien schickten Waffen und SoldatenDie demokratischen Spieler der Weltpolitik – Frankreich, Großbritannien und die USA – zogen sich auf den Status des Beobachters zurück und wollten sich nicht einmischen, während die diktatorischen Regimes direkt eingriffen: Nazi-Deutschland und das faschistische Italien schickten Soldaten, Waffen und Flugzeuge.Die deutsche Luftwaffeneinheit „Legion Condor“ etwa zerstörte im April 1937 die Kleinstadt Guernica völlig, rund 1.000 Menschen kamen ums Leben.Picassos Gemälde als Manifest gegen KriegPablo Picassos nach der Stadt benanntes Gemälde gilt noch heute als Manifest gegen Krieg und Zerstörung. Die Sowjetunion lieferte Waffen an jene, die die Republik verteidigten, allerdings in deutlich geringerem Umfang und oft nur gegen Bezahlung.Dem Kampf gegen den spanischen Faschismus schlossen sich aber viele Freiwillige an, ihre Anzahl wird auf 40.000 bis 50.000 geschätzt. In den Reihen dieser Internationalen Brigaden – gegründet im Oktober 1936 – waren auch rund 1.400 Österreicher und Österreicherinnen. Sie gingen aus dem ebenfalls faschistischen, diktatorischen sogenannten Ständestaat nach Spanien ins Exil.Das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW) listet auf seiner Homepage jeden einzelnen der „Voluntarios Internacionales de la Libertad“ bezeichneten Spanienkämpfer aus Österreich namentlich auf, bringt Biografien und Schicksale, nachzulesen in einem Online-Lexikon (www.doew.at/erinnern/biographien/spanienarchiv-online). Fast ein Viertel von ihnen fiel im Bürgerkrieg.Die meisten hatten schon als Sozialdemokraten oder Kommunisten an den Februarkämpfen 1934 teilgenommen.In Lagern interniertDie Zerschlagung der Arbeiterbewegung in ihrer Heimat war für viele Grund, in Spanien weiter gegen den Faschismus zu kämpfen, vergeblich: Anfang 1939, als Europa selbst an der Schwelle zum nächsten großen Krieg stand, erkannten Frankreich und Großbritannien das Franco-Regime als Regierung Spaniens an, die USA folgten wenig später.Der Großteil der ausländischen Spanienkämpfer hatte das Land bereits Ende 1938 verlassen oder wurde in Lager interniert. Rund 460 Österreicher kamen in die KZ der Deutschen, der Großteil nach Dachau.

  • Halbzeitshow, Trump, Hitze: Die wichtigsten Fakten zum WM-Finale
    am Juli 18, 2026 um 4:45 am

    Am Sonntag (21 Uhr/live ORF 1) wird in East Rutherford das WM-Finale zwischen Argentinien und Spanien angepfiffen. Was Sie abseits des Sportlichen vor dem Endspiel wissen sollten.Die verlängerte PauseNach dem Pausenpfiff soll sechs Minuten lang umgebaut werden. Für die folgende Show sind Madonna, Shakira und die K-Pop-Band BTS angekündigt, außerdem könnte es zu Auftritten von Burna Boy und Coldplay kommen, unterstützt von dem venezolanischen Dirigenten Gustavo Dudamel und einem New Yorker Kinderchor. Die mindestens 25 Minuten dauernde Pause wird für die Sportler eine Herausforderung sein.Der gerührte Schiedsrichter Schiedsrichterlegende Pierluigi Collina wählte die Theatralik: Bei einer Besprechung überreichte er Slavko Vincic ein schwarzes Trikot mit dessen Namen, gleichbedeutend mit der Ehre, das WM-Finale zu pfeifen. Den 46-Jährigen rührte das zu Tränen. Er kommt bei dem Turnier zum vierten Mal zum Einsatz. Sein bisheriges Karrierehighlight war das Champions-League-Finale Real Madrid gegen Dortmund (2:0) im Jahr 2024.Die US-typischen RingeDass Meisterteams – etwa bei NFL und NBA – Ringe für ihren Triumph erhalten, ist in Amerika Tradition. Grund genug, um diese Tradition auch dem Fußball zu schenken. Die Weltmeister erhalten neben dem Pokal und den Medaillen auch Ringe. Eine Seite des Rings zeigt die WM-Trophäe, die andere einen Hinweis zum Team. Nach dem Finale erhalten Kapitän und Trainer ihre Ringe, die anderen später. Insgesamt gibt es 30 Ringe für das Siegerteam. Es sollen auch 1.996 Ringe an Fans verkauft werden.Das extreme WetterNew York ist nur rund eineinhalb Autostunden vom Finalort New Jersey entfernt. Zuletzt sorgte die schlechte Luftqualität in der Metropole für Sorgen. Zwei Tage vor dem Finale war die Skyline in Rauchschwaden gehüllt, die New Yorker trugen großteils Masken. Der Grund seien Waldbrände in Minnesota und Kanada, wie es hieß. Die Stadtregierung meldete eine „ungesunde“ Luftqualität in Teilen New Yorks. Der ausgerufene „Code Red“ galt auch in East Rutherford, wo das Finalstadion steht. Die Temperaturen könnten zudem auf bis zu 40 Grad steigen.Die Show der Politik Donald Trump gibt die Premiere bei „seinem“ Heimturnier und wird den Weltmeistern am Sonntag den Pokal überreichen. Ein Siegerfoto mit Trump ist also fix. Bisher hatte sich der US-Präsident bei keinem der 102 WM-Spiele gezeigt. Das Weiße Haus bestätigte dieser Tage auch das Kommen Trumps. „Seine Teilnahme wird den Höhepunkt einer Weltmeisterschaft bilden, die die meistgesehene, sicherste und erfolgreichste in der Geschichte der USA war“, sagte US-Präsidentensprecherin Karoline Leavitt.Die Spanier bekommen royale Unterstützung ihres Königs Felipe VI., während Argentinien ohne sein Staatsoberhaupt auskommen muss. Javier Milei bleibt dem Endspiel aus „Aberglauben“ fern, wie der Präsident erklärte. Von spanischer Seite wird vor Ort nicht nur der König die Daumen drücken, sondern auch der Ministerpräsident. Pedro Sanchez gilt als Kritiker von Trump und dessen Kriegs gegen den Iran, die Beziehungen zwischen den beiden Regierungen sind seit Längerem angespannt.

  • Das Spiel um Platz drei: „Keiner möchte dieses Match spielen“
    von harald.ottawa@kurier.at (Harald Ottawa) am Juli 18, 2026 um 4:30 am

    Ein Spiel, das eine Aura von Enttäuschung umgibt, oder sogar ein Mantel von Sinnlosigkeit. Das Spiel um Platz drei war jeher ein Spiel der Verlierer, der zerstörten Hoffnungen. Oder wie Englands Teamchef Thomas Tuchel vor der Partie am Samstag (23.00/ServusTV) sagte: „Keiner meiner Spieler und keiner der französischen Spieler möchte dieses Match spielen.“Bei Olympischen Spielen geht es wenigstens um Bronze, bei Weltmeisterschaften vielleicht nur um ein bisserl ein Gefühl, das letzte Spiel doch noch gewonnen zu haben. Obwohl’s wurscht ist. Einen Tag später geht es im Finale um wirklich etwas.Und gerade deshalb, weil es nach bitteren Halbfinal-Niederlagen um die Goldene Ananas geht, gab es schon turbulente und hochklassige Spiele. Es wurde probiert, nicht taktiert. Und es gab doch noch Titel. Ein historischer Abriss:1934: Deutschland gegen Österreich 3:2 Die Österreicher gingen nach den Härteattacken beim 0:1 gegen Italien lustlos und unmotiviert in die Partie und verloren 2:3. Die letzten Duelle hatten noch 5:0 und 6:0 für Österreich geendet. Kurios: Beide Teams wollten in den üblichen schwarz-weißen Dressen antreten. Um die Teams unterscheiden zu können, schlüpften die Österreicher kurzerhand in die Leiberln des SSC Napoli.1954: Österreich gegen Uruguay 3:1 Erfolgreicher war die ÖFB-Elf 1954. In einem wenig mitreißenden Match gegen müde Südamerikaner, die zuvor gegen Ungarn in die Verlängerung gehen mussten, war die Elf von Trainer und Wunderteamkicker Walter Nausch mit Ernst bei der Sache. Man siegte durch Tore von Ernst Stojaspal, Ernst Ocwirk und einem Eigentor mit 3:1.1958: Frankreich gegen Deutschland 6:3 Das vielleicht packendste Spiel um den dritten Platz. Just Fontaine hatte für Les Bleus bereits neun Tore erzielt und führte Frankreich mit einem Doppelpack zu einer 3:1-Pausenführung. Auch im zweiten Durchgang gelangen ihm zwei Treffer und so feierte Frankreich einen 6:3-Triumph gegen den entthronten Weltmeister. Fontaines Ausbeute von 13 Turniertreffern ist noch heute die Bestmarke für eine einzelne Endrunde, und er ist weiterhin auf dem vierten Platz der ewigen Torjäger-Rangliste.1990: Italien gegen England 2:1Das Sinnbild eines Verlierer-Duells. Und dennoch entwickelte sich ein schöner Schlagabtausch unter dem Motto „weil es eh schon egal ist“. Sehr ambitioniert ging Toto Schillaci in diese Partie, der Italiener traf zwei Mal und sicherte sich mit dem Siegestor zum 2:1 per Elfer den Titel des Torschützenkönigs der WM (6 Treffer). Sonst war beiden Teams die Halbfinal-Enttäuschung anzumerken. Immerhin scheiterten sowohl die Engländer (wieder einmal gegen Deutschland) als auch die Italiener (gegen Argentinien) im Elferschießen. Die Partie war jedenfalls besser als das Finale, das Deutschland ebenfalls durch ein Elfertor durch Andreas Brehme 1:0 gewann.1998: Kroatien gegen Niederlande 2:1 Auch in diesem Duell gab es einen Titel: Davor Suker sicherte sich mit seinem Treffer zum 2:1-Endstand den Titel als Schützenkönig (sechs Tore). Die damals von Miroslav Blazevic trainierten Kroaten hatten zuvor Deutschland aus dem Wettbewerb geworfen, waren dann aber am Gastgeber und späteren Weltmeister Frankreich gescheitert.2002: Türkei gegen Südkorea 3:2 Es war schon sensationell, dass es die beiden Länder ins Halbfinale schafften. Gastgeber Südkorea unterlag eigentlich schwachen Deutschen ebenso 0:1 wie die Türken Brasilien. Einen Rekord gab es dann im Duell um Platz drei: Der Türke Hakan Sükür erzielte beim 3:2-Erfolg nach elf Sekunden das schnellste Tor der WM-Geschichte.2010: Deutschland gegen Uruguay 3:2 Bei der Partie im Nelson Mandela Bay Stadium schenkten sich Uruguay (im Halbfinale unterlegen gegen die Niederlande) und Deutschland (scheiterte gegen Spanien) absolut nichts. Thomas Müller brachte die DFB-Elf in Führung, ehe Edison Cavani und Diego Forlan den Spieß zugunsten von Uruguay umdrehten. Anschließend war Deutschland jedoch wieder am Drücker und konnte die Begegnung dank der Tore von Marcel Jansen und Sami Khedira für sich entscheiden.

  • Spiel um Platz 3: Letzter Auftritt für zwei Favoriten
    von florian.plavec@kurier.at (Florian Plavec) am Juli 18, 2026 um 4:00 am

    „Wir wollten ins Finale“, sagt Englands Trainer Thomas Tuchel. Doch auch im Spiel um Platz 3 am Samstag (23.00) gegen Frankreich lohnt es sich zu kämpfen. Denn nach dem Halbfinal-Aus gab es heftige Kritik am deutschen Trainer und dessen Defensiv-Taktik nach der 1:0-Führung gegen Argentinien. Endstand 1:2.Vom Verband gibt es Rückhalt für Tuchel. Doch sollte auch das Spiel am Samstag verloren gehen, bekäme die WM-Leistung der Engländer eine weitere bittere Note. „Es ist eine große Leistung, das Halbfinale erreicht zu haben. Aber das will momentan niemand hören, ich übrigens auch nicht“, sagte Tuchel und versprach: „Wir werden uns professionell auf das Spiel vorbereiten.“Wellness-Spiel für Deschamps?Für Didier Deschamps könnte es hingegen eine Wellness-Partie werden, es ist sein letztes Spiel als französischer Teamchef. Seit 2012 lenkt er Les Bleus, er führte die Mannschaft zum WM-Titel 2018 und ins Finale 2022, wo man im wohl spektakulärsten Endspiel der WM-Geschichte Argentinien im Elfmeterschießen unterlag. „Ich bin sehr glücklich und stolz auf alles, was wir mit der Mannschaft erreicht haben“, sagte Deschamps. Für ihn sei es am Ende auf persönlicher Ebene nicht wichtig, ob man ins Finale kommt oder nur bis zum Halbfinale. Die Spieler dürfte es motivieren, Deschamps mit einem Sieg zu verabschieden.Chance für ErsatzleuteDass die Franzosen allerdings mit ihrer stärksten Mannschaft antreten werden, scheint unwahrscheinlich. Nur Kylian Mbappe wird wohl von Anfang an stürmen. Für den Angreifer von Real Madrid geht es noch um die Torjägerkrone.

  • Katar blockiert VW-Deal mit Israel für gefährdetes Werk in Osnabrück
    von michael.bachner@kurier.at (Michael Bachner) am Juli 18, 2026 um 4:00 am

    Osnabrück, die viertgrößte Stadt im deutschen Niedersachsen, beherbergt ein von der Schließung akut bedrohtes VW-Werk. Spätestens im Sommer 2027 endet hier die Produktion, noch laufen Porsche-Modelle und die letzten T-Roc Cabrios vom Band, doch bald ist Schluss. Das Land Niedersachsen will den Standort erhalten und kämpft um eine tragfähige Nachnutzung. Es geht nicht nur um die Zukunft von 2.300 Arbeitsplätzen. Es geht auch um die Lösungskompetenz der rot-grünen Landesregierung in Hannover und damit die Zukunft von SPD-Ministerpräsident Olaf Lies. Niedersachsen ist mit 20 Prozent zweitgrößter Aktionär bei Volkswagen, Lies sitzt im Aufsichtsrat des strauchelnden Autoriesens.Eine recht naheliegende Idee in Zeiten der europäischen Aufrüstung lautet: Wir verwandeln das Autowerk mit relativ geringem Aufwand in eine Fabrik für Rüstungsgüter. Doch der Weg dahin ist steiniger als gedacht - und mitunter politisch brisant.Schon Mitte März hat Rheinmetall, größter deutscher Panzer- und Munitionsfabrikant, als bis dahin wichtigster Interessent abgewunken. Ursprünglich wollte Rheinmetall das Werk übernehmen und in Osnabrück sechsrädrige Radpanzer bauen. Rheinmetall-Chef Armin Pappberger präferiert jetzt aber einen anderen Standort. Nach Medienberichten liefen zuletzt auch Gespräche mit dem deutsch-französischen Rüstungskonzern KNDS - ebenso erfolglos. Da kommt nun der israelische Rüstungskonzern Rafael ins Spiel. Die Israelis produzieren Teile für das Raketenabwehrsystem „Iron Dome“, mit dem Raketen aus dem Iran oder der Hisbollah aus dem Libanon abgefangen werden. Die Absichtserklärungen sind bereits unterschrieben. Rafael könnte Osnabrück nutzen, um Fahrzeuge zu bauen, die die „Kampftechnik transportieren können“. Dazu würde VW ein Gemeinschaftsunternehmen mit Rafael gründen und die in Osnabrück künftig gefertigten Militärfahrzeuge würden auch Bestandteil der europäischen Flugabwehr werden, schreibt die deutsche Wirtschaftswoche. In Deutschland würden keine Teile für Israels Iron Dome produziert.Dennoch ist Katar, mit 17 Prozent nach Porsche und Niedersachsen drittgrößter VW-Aktionär, zu viel Israel drin. Katar mit drei Mitgliedern sehr prominent im VW-Aufsichtsrat vertreten, hat sein Veto eingelegt und blockiert damit den Deal mit Rafael. Das berichteten zuerst die deutsche Bild und das Handelsblatt. Hintergrund ist der Nahost-Konflikt. Seit dem Gaza-Krieg gibt es Spannungen zwischen Doha und Jerusalem. Katar gilt seit Jahren als einer der wichtigsten finanziellen Unterstützer der Hamas. Israel hat im Vorjahr mit gezielten Luftschlägen hochrangige Hamas-Funktionäre in Katar getötet. Das Emirat spielte aber eine Doppelrolle, da es auch als Vermittler zwischen der Terrororganisation und Israel auftrat.Möglicherweise ist das katarische Veto bei VW auch ein Revanche-Foul für ein aktuelles Veto aus Jerusalem. Bei der geplanten Milliarden-Übernahme des israelischen Transportunternehmens Zim mit Sitz in Haifa durch die deutsche Großreederei Hapag-Lloyd, an der Katar und Saudi Arabien zusammen mehr als 20 Prozent halten, gibt es Widerstand aus Israel. Premier Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Israel Katz haben sich laut Medienberichten gegen den Deal ausgesprochen.Zim ist ‌die zehntgrößte Containerreederei weltweit, Hapag-Lloyd die Nummer fünf. 

  • Streit ums Erbe: Wer entscheidet und wer zahlt die Zeche?
    am Juli 18, 2026 um 4:00 am

    Von Mag. Carmen Thornton & Mag. Johannes KautzDer Fall: Nach einem Todesfall muss einiges organisiert werden. Angefangen vom Begräbnis bis hin zur Kündigung von Verträgen. Sich einen Überblick über das Vermögen zu verschaffen und alle Verträge oder Passwörter zu finden, ist oft eine Herausforderung. Eigentlich ist es selbstverständlich, dass sich die nächsten Angehörigen um diese Dinge kümmern, doch spätestens, wenn die Bank oder ein Vertragspartner nachfragt, stellt sich die Frage: Wer darf was entscheiden? Und was passiert mit dem digitalen Nachlass? Manchmal ist auch nicht klar, wer überhaupt erben wird. Doch wenn man sich da nicht einig wird, folgt schnell die Entmündigung. Und dann wird es richtig teuer. Abgesehen von den Anwalts- und Gerichtskosten gibt es auch eine unangenehme Kostenfalle. Und die Zeche zahlt nicht immer derjenige, der die Kosten verursacht hat. Da kann selbst ein Sieg vor Gericht zum finanziellen Verlustgeschäft werden.Sie:Auch wenn die meisten Verlassenschaften einvernehmlich geregelt werden, landet jeder Todesfall zwangsläufig vor Gericht. Das bestellt einen Notar, der die Verlassenschaft abwickelt. Der Gerichtskommissär ist aber nicht Vertreter des Nachlasses. Er kann zwar in dringenden Fällen Sicherungsmaßnahmen ergreifen, etwa eine Wohnung oder einzelne Räume versiegeln oder Schlüssel und Wertgegenstände verwahren, es ist aber nicht seine Aufgabe, Verträge zu kündigen oder laufende Rechnungen zu bezahlen. Das ist Sache der zukünftigen Erben, die auch das Recht haben, das Vermögen bereits vor der Einantwortung zu benützen.Verwaltung nur gemeinsamDafür müssen sie aber erst eine Erbantrittserklärung abgeben und ihr Erbrecht, z. B. durch die Vorlage des Testaments oder den Nachweis des Verwandtschaftsverhältnisses, ausweisen. Dann stellt der Gerichtskommissär ihnen eine Amtsbestätigung aus, die als Nachweis der Vertretungsbefugnis dient. Solange niemand die Erbschaft angetreten hat, ist für Verwaltungsmaßnahmen eine gerichtliche Genehmigung notwendig. Wenn klar ist, wer welche Quote bekommen wird und die Erben einvernehmlich vorgehen, haben sie bei der Verwaltung hingegen ziemlich freie Hand. Selbst für außergewöhnliche Geschäfte ist keine gerichtliche Genehmigung notwendig, es sei denn, es geht um den Verkauf von Vermögenswerten.Im Idealfall machen sich die Erben auch gleich untereinander aus, wer was bekommt, und schließen ein Erb- und Pflichtteilsübereinkommen ab. So erspart man sich eine Erbteilungsklage und jede Menge Steuern. Und wenn nicht nachträglich ein übergangener Erbe auftaucht, der seine Ansprüche geltend macht, sehen die Erben nie ein Gericht von innen.Was passiert mit digitalem Nachlass?Immer öfter stellt sich auch die Frage, was mit dem digitalen Nachlass passiert und wer z. B. auf Social Media Accounts zugreifen darf. Die Nutzungsverträge fallen zwar in die Verlassenschaft, dennoch verweigern viele Plattformen den Erben den vollständigen Zugriff auf das Konto. In Deutschland landete ein Fall, in dem Facebook den Eltern einer verstorbenen Teenagerin den Zugang zu deren Nutzerkonto verweigerte, vor einigen Jahren sogar beim Höchstgericht. Die Nutzungsbedingungen sehen vor, dass der Accountinhaber sein Benutzerkonto entweder so einstellen kann, dass es im Todesfall dauerhaft gelöscht wird, oder das Benutzerkonto in den Gedenkzustand versetzt wird. Dann sind am Konto nur mehr bestimmte Änderungen (z. B. ein Abschiedsposting) möglich.Dafür muss der Nutzer aber selbst einen Nachlasskontakt festgelegt haben. Da dies nicht der Fall war, verweigerte Facebook den Eltern den Zugang zum Nutzerkonto. Die wollten das nicht hinnehmen und bekamen vor Gericht auch Recht. Der deutsche Bundesgerichtshof entschied, dass der Vertrag über das Facebook-Benutzerkonto auf die Erben übergeht, denen daher Zugang zum Konto samt den gespeicherten Inhalten zu gewähren ist. Vor Kurzem entschied ein deutsches Oberlandesgericht, dass auch bei einem Instagram-Account die aktive Weiternutzung durch die Erben ermöglicht werden muss. In Österreich ist die Rechtslage vergleichbar.Wem es ein Anliegen ist, dass seine Social Media Accounts nach dem Tod weiterbespielt werden können, oder über digitale Vermögenswerte verfügt, sollte daher im Testament auch den digitalen Nachlass regeln und bei den Plattformen einen Nachlasskontakt festlegen. Außerdem ist es wichtig, dass die Erben über die Zugangsdaten verfügen.Er:Es macht schon Sinn, dass die voraussichtlichen Erben die Verlassenschaft gemeinsam verwalten sollen, schließlich geht es um ihr Erbe. Doch gemeinsam funktioniert bei Erbschaften nicht immer. Unterschiedliche Interessen, enttäuschte Erwartungen oder auch ungelöste Konflikte führen häufig zu erbittertem Streit. Und wenn die Fronten verhärtet sind, nehmen manche sogar eigene Nachteile in Kauf, nur weil man dem anderen nichts gönnen will.Wer streitet, wird entmündigtDer Gesetzgeber hat dafür wenig Verständnis. Wenn sich die Erben nicht einigen können, wird ein Verlassenschaftskurator bestellt, der die Verlassenschaft vertritt. Die Erben haben dann nichts mehr zu sagen. Die Bestellung bleibt auch aufrecht, wenn sich die Erben plötzlich doch wieder vertragen. Dieser Ansatz ist zwar kompromisslos, aber nachvollziehbar. Das Gericht ist nicht dazu da, bei jeder Meinungsverschiedenheit zwischen den Erben zu schlichten. Und irgendwer muss die Entscheidungen treffen.Nicht so verständlich ist, dass der Kurator auch bestellt wird, wenn strittig ist, wer überhaupt erben wird oder welche Quote den Erben zusteht. Denn das heißt ja nicht, dass keine gemeinsame Verwaltung möglich ist. Trotzdem wird auch hier nicht lange gefackelt. Es gibt zwar einen Einigungsversuch beim Notar, aber wenn dieser scheitert und das Gericht entscheiden muss, welche Erbantrittserklärung berechtigt ist, wird den Streitparteien ein gemeinsamer Vertreter vorgesetzt. Und zwar auch dann, wenn sie das gar nicht möchten und sich bei der Verwaltung ohnehin einig sind.Der Verlust der Entscheidungskompetenz ist da noch am ehesten zu verschmerzen. Meistens spricht sich der Kurator ohnehin mit den Erben ab. Und für außergewöhnliche Verwaltungsmaßnahmen wie zum Beispiel die Verwertung von Liegenschaften ist eine gerichtliche Genehmigung nötig. Doch das böse Erwachen kommt, wenn der Kurator seine Honorarnote legt. Die Entlohnung beträgt 5% des Aktivvermögens pro Jahr. Schulden werden nicht berücksichtigt. Für die Verwaltung eines Hauses im Wert von 1 Million sind das € 50.000 plus USt pro Jahr, selbst wenn ein hoher Kredit offen ist. Das ist ein Vielfaches von dem, was eine Hausverwaltung bekommt, und es ist auch deutlich mehr als die Entlohnung eines Erwachsenenvertreters (Sachwalters) oder Insolvenzverwalters. Das Honorar kann zwar ausnahmsweise reduziert werden, trotzdem kommen oft hohe fünfstellige oder sogar sechsstellige Beträge zusammen. Und ein Erbrechtsstreit kann gut und gerne 2 bis 3 Jahre dauern. Im schlimmsten Fall gibt es dann gar nichts mehr zu streiten.Die Erben zahlen die ZecheDa drängt sich irgendwie der Verdacht auf, dass die Erben für das Streiten bestraft werden sollen. Bestraft werden aber nicht diejenigen, die das Erbe zu Unrecht beansprucht haben, sondern die rechtmäßigen Erben. Die Kosten des Verlassenschaftskurators werden nämlich von der Verlassenschaft getragen. Wer sein Recht verteidigt, wird zur Kasse gebeten. Wer zu Unrecht prozessiert hat, muss nicht für die verursachten Kosten einstehen. Nur bei einer mutwilligen Prozessführung können die Erben Schadenersatzansprüche geltend machen. Das ist allerdings schwer nachzuweisen. Und es führt zu einem weiteren Prozess. Der Versuch, den Erben eine Einigung schmackhaft zu machen, ist ja lobenswert. Die Rechtsdurchsetzung zu bestrafen, kann aber nicht die Lösung sein. Und es ist auch nicht Aufgabe der Gerichte, Konflikte zu verhindern, sondern sie zu lösen.

  • Moin, Moin: Hamburg in vier Tagen
    am Juli 18, 2026 um 4:00 am

    Von Nicola Afchar-NegadDonnerstagAlter Elbtunnel: Unter der Elbe hindurch und direkt zum schönsten Blick auf Landungsbrücken und Elphi. hamburg.de/elbtunnelGroße Freiheit: Die berühmteste Seitenstraße der Reeperbahn. Große Freiheit, St. PauliFlight Club: Zur Negroni-Stunde (19–20 Uhr) in „The Rabbithole Bar“ am Ende der Reeperbahn. the-rabbithole.deLichterfahrt Hafen: Nach Sonnenuntergang zwischen Kränen und Containerbrücken durch den Hafen. Z. B. abicht.cruises/cruises/evening-light-cruise; LandungsbrückenFreitagSpeicherstadt „Kaffeerösterei“:  Dort Kaffee trinken, wo einst die Waren aus aller Welt gelagert wurden.speicherstadt-kaffee.deNeuer Wall: Wo Marken wie das australische  Modelabel Zimmermann eröffnen, wird klar: Hamburg hat Stil. Neuer Wall 72Hobenköök: Markthalle, Restaurant und norddeutsche Produzenten unter einem Dach. hobenkoeoek.deOberhafen-Kantine: Norddeutsche Küche mitten im kreativen Oberhafen.oberhafenkantine-hamburg.deSamstagCafé Gnosa: Institution in St. Georg – bekannt für  seine Torten. Lange Reihe 93FSKR – sind keine Rudeltiere Hip: Für viele Hamburger die erste Adresse für Pastrami-Sandwiches. Mühlenkamp 54Museum für Kunst und Gewerbe: Von Mode über Fotografie bis Design. Das MK&G zählt zu den spannendsten Museen Deutschlands. mkg-hamburg.de100/200 Kitchen: Zwei-Sterne-Restaurant – die Carte-blanche-Menüs widmen sich saisonalen Themen.100200.kitchenSonntagFischereihafen: Das Restaurant Fischereihafen ist berühmt für Räucheraalauf Kräuterrührei und Schwarzbrot. fischereihafenrestaurant.deStrandperle Elbstrand: Füße im Sand, Containerschiffe vor sich: Mehr Hamburg geht kaum. strandperle-hamburg.deEscape rooms: Kennt man – aber in Hamburg auf zwei Museumsschiffen, das kann was!  hiddengames.deSüllberg zum Abschied: Hoch über der Elbe gelegen, mit weitem Blick. Süllbergterrasse 12HotelsThe Fontany: Direkt an der Außenalster gelegen, zählt das Hotel zu den spektakulärsten Adressen der Stadt. thefontenay.comConrad Hamburg: Hanseatischer Luxus hinter historischer Kontorhausfassade mitten in der City.hilton.com/de/hotels/hamshci-conrad-hamburgNovotel Hamburg: Central Station Lässig-unkomplizierte Familienbasis, strategisch gut gelegen.  novotel.com

  • Kiez und Kanal: Ein langes Wochenende in Hamburg
    am Juli 18, 2026 um 4:00 am

    Von Nicola Afchar-NegadAuf dem Mühlenkampkanal schaukeln Stand-up-Paddler, Kanus und Tretboote gemächlich dahin. Manche scheinen grundlos zu pausieren. Erst beim genaueren Hinsehen erkennt man, dass sie auf ihre Bestellung warten. Das Café Canale im Stadtteil Winterhude reicht Fischbrötchen, Kuchen und kühle Getränke durch eine kleine Luke direkt ans Wasser des Alsterkanals. Wer nur das große und grobe Hamburg kennt – Kräne, Landungsbrücken und Frachter –, würde diesen Teil der Stadt kaum erwarten. Rund um den Mühlenkampkanal bestimmen Altbauten, Kanäle und kleine Cafés das Bild. Man kann durchaus von zwei Welten sprechen: Die Alster ist so etwas wie das Wohnzimmer der Stadt, die Elbe die Werkstatt. Das eine Gewässer steht für Freizeit, das andere für Arbeit. Beide zusammen haben Hamburg geprägt – und damit auch die Reeperbahn, die heuer ihren 400. Geburtstag feiert. Ihren Namen verdankt sie den Reepern, jenen Seilern, die hier einst die meterlangen Schiffstaue für den Hafen fertigten. Längst steht die berühmteste Straße Hamburgs, die „sündigste Meile der Welt“ nicht mehr nur für Rotlicht und Exzess, sondern viel mehr dafür, so sein zu können, wie man möchte.Kiez me, BabyZum Auftakt des Jubiläumsjahres schlugen Bürgermeister Peter Tschentscher und Dragqueen Olivia Jones ein eigens gebrautes Jubiläumsbier an, bevor Tausende Menschen auf dem Spielbudenplatz gemeinsam Udo Lindenbergs „Reeperbahn“ aus dem Jahr 1978 intonierten. „An jeder Ecke roch’s nach Hafen. Und nach Rock ’n’ Roll“, sang er  darin und er bedauerte, die Reeperbahn sei „Kulisse für’n Film, der nicht mehr läuft“. Das Drehbuch zum 400erEher sympathisch als spektakulär. Führungen, Vorträge und zwei knallpinke Reeper-Statuen fürs Stadtbild. Irgendwie ist auf der Reeperbahn alles ein wenig drüber, inklusive der legendären Penny-Filiale mit der Neonschrift „Kiez me, Baby“ beim Eingang und den Worten „Knackige Dinger“ über der Gemüseabteilung. Reeperbahn halt. Ein „Hotel zur Heißen Ecke“ findet man vermutlich nur hier auf der Projektliste. Der zweideutige Name hat natürlich Geschichte: Die „Heiße Ecke“ ist eine legendäre Kreuzung von Reeperbahn und Davidstraße und obendrauf ein kultiges Musical, das einen Tag am Würstelstand liebevoll persifliert. Klar ist: Der Kiez beherrscht die große Show. Das Kontrastprogramm beginnt 37 Meter über der Elbe, auf der Plaza der Elbphilharmonie, kurz Elphi genannt. Ein Kran-Ballett Die Elbphilharmonie, ein historischer Kaispeicher mit spektakulärem Glasaufbau, ist längst zum Wahrzeichen eines Hamburgs im Aufbruch geworden. Ein Konzerthaus, auf dessen Plaza sich zur goldenen Stunde auffällig viele Besucher mit einem Aperol Spritz in der Hand bewegen. Man könnte fast glauben, es sei inszeniert. Der orangefarbene Drink, der Himmel, der für einige Minuten genau diesen Farbton trifft – so sieht Perfektion aus. Auch die Höhe der Plaza, die manche als Stadt-Balkon bezeichnen, ist ideal. Hoch genug, um den Hafen im Blick zu haben, aber auch niedrig genug, um zu erkennen, was unten am Boden grad hohe Wellen schlägt. Wer von hier auf die HafenCity blickt, sieht einen Teil der Handelsmetropole, die ihre Grenzen seit Jahren Stück für Stück Richtung Elbe verschiebt. Um ganze 40 Prozent ist die Innenstadt gewachsen, die HafenCity ist Europas wohl bekanntestes Stadtentwicklungsprojekt. Die Kräne gehören zum Stadtbild, wie Kirchtürme, Fischkutter und die Backsteinsilhouette der Speicherstadt. Und die Baustellen-Romantik verrät es: Die HafenCity wächst weiter.  Für 2027 sind neue Hotels avisiert und mit dem UBS Digital Art Museum ist Europas größtes Museum für digitale Kunst im Werden. Im Überseequartier hat vergangenes Jahr bereits das immersive Kunstzentrum Port des Lumières eröffnet und selbst für den Elbtower ist nach dem Signa-Schiffbruch Land in ferner Sicht. Iss dich glücklich Alles fraglos beeindruckend.  Eine etwas frischere Brise weht allerdings dort, wo Hamburg weniger poliert wirkt. Ein bisschen rauer und vielleicht auch mehr der hanseatischen Mentalität entsprechend ist etwa der Oberhafen, ein Viertel, in dem Hamburg experimentiert. Ehemalige Güterhallen wurden zu Ateliers und Werkstätten, hier spürt man, wie die Stadt gerade tickt.Herausragend: Markthalle und Restaurant Hobenköök, zum Frühstück stehen Matjes mit Hausfrauensoße und Essiggurke auf der Karte. Eher „etabliert cool“: das Karoviertel voller Cafés, Vintage-Läden oder dem Concept Store Kauf Dich Glücklich.Im Schanzenviertel wiederum ist der Entdecker-Bonus weg, Beispiel: die „Bullerei“ von Tim Mälzer, die man kaum mehr als Neuentdeckung verkaufen kann.Ganz anders verhält es sich mit dem Grünen Bunker im angrenzenden St. Pauli – er ist vielleicht sogar so symbolisch für das heutige Hamburg wie die Elphi es Ende der 2010er-Jahre war.  Auf dem Dach des Flakturms wachsen Bäume, ein öffentlicher Park zieht sich spiralförmig nach oben, die Besucher blicken auf Hafen, Elbe und Reeperbahn. „Warst du schon oben?“ war seit der Fertigstellung im vorletzten Sommer eine geflügelte Frage zwischen Kiez und Kanal. Fisch macht sexy Von hier oben fällt noch etwas auf: In Hamburg täuschen Entfernungen mitunter, die Stadt ist beeindruckend weit. Das Ziel scheint nur ein paar Minuten entfernt, obwohl noch ein Kanal, ein Hafenbecken oder eine Brücke dazwischenliegen. Irgendwann ist man aber dort, nicht selten mit einem Snack in der Hand. „Fischbrötchen machen sexy“, verspricht der Aufsteller eines Standes. Eine gewagte These. Aber Hamburg wäre nicht Hamburg, würde man sie hier nicht völlig selbstverständlich stehen lassen.  Wer das ursprüngliche Hafen-Hamburg erleben möchte, fährt weiter zu Bobbys Bremsklotz unter der Köhlbrandbrücke. Wo Hafenarbeiter, Lkw-Fahrer und Stammgäste seit Jahren für Frikadellen anstehen, ist das touristische Hamburg weit weg. Wenn der Abend kommt, legt die nächste Hamburger Institution los – beziehungsweise ab: Frau Hedis Tanzkaffee, ein ehemaliges Hafenboot, dessen Deck an Sommerabenden zu einem schwimmenden Club wird. Die Macher sprechen von einem „subkulturellen Kontrapunkt zur staatskulturellen Elbphilharmonie“ und der „Elbvielharmonie der Herzen“. Die Königin kommt! Oder aber man findet sich dort wieder, wo die knapp 1,9 Millionen-Stadt etwas Abstand zu sich selbst gewinnt.Auf der Lindenterrasse des Hotels Louis C. Jacob treffen sich die Nordlichter seit Generationen unter alten Bäumen bei einem Stück Jacobstorte, im Sommer übertönen Jazz- und Klavierkonzerte die Schiffshörner. Richtig hoheitlich wird es dann an zwei Abenden im Sommer, wenn am 27.8. und 2.9. die „Queen Mary 2“ am Hotel vorbeigleitet, die Königin der Transatlantikliner. Die Gäste werden es sich nicht nehmen lassen mit weißen Tüchern von der Balustrade zu winken und auch der legendäre Kanonenschuss wird nicht fehlen. Das Louis C. Jacob hat eine 235-jährige Geschichte, solche Traditionen muss man erhalten, die An- und Abfahrten der Schiffe sind sogar auf der Menükarte gelistet.Vielleicht steckt in dieser selbstverständlichen Würdigung ja das Wesen Hamburgs. Seit Jahrhunderten ist man das Tor zur Welt. Schiffe, Waren, Menschen – und ihre Ideen – kommen und gehen. Was bleibt, ist eine Stadt, die mit allen Wassern gewaschen ist.